Dokumentation

Monique Kaulertz: Vorstellung des Forschungsprojekts „Erzählen und Schweigen in der Institution Asyl – Grenzen und Möglichkeiten der (Selbst-)Artikulation in einer ‚Kultur des Misstrauens‘

Beschreibung des Vortrags: Über ihre Erfahrung während der Feldforschung zu ihrer Doktorarbeit gelangte Monique Kaulertz auch zur Arbeit mit performativen und partizipativen Methoden. In ihrem Vortrag wird sie anhand von Beispielen aus ihrer Arbeit exemplarisch Potentiale, Herausforderungen und Grenzen partizipativer und mitunter performativer Forschung aufzeigen. Dabei zeichnet sich ihre Forschung neben der Methodenvielfalt vor allem durch die Arbeit mit Menschen aus, die Fluchterfahrungen machen mussten und mit denen mehr- oder fremdsprachig zusammengearbeitet wurde. Forschungspartner*innen sind von Erfahrungen vor und während der Flucht sowie mit der Asylbürokratie beeinflusst und bringen ihre Themen in die Forschung mit. Was dies bedeuten kann, darüber soll u.a. gesprochen und diskutiert werden.


Prof. Dr. Stefan Thomas: Gütekriterien in der partizipativen Forschung. Eine Reflexion auf die Forschungspraxis

Beschreibung des Vortrags: Gütekriterien in der partizipativen Forschungsmethodik lassen sich nicht als universelle Standards allein aus der Methodologie begründen. Neben einer wissenschaftsimmanenten Herleitung müssen diese kontextuell auf Forschungsgegenstand und -praxis bezogen sein. Von strategischer Bedeutung bei der Umsetzung einer partizipativen Studie ist das Forschungsforum. In diesem kommen die Berufs- und die Co-Forscher*innen zur gemeinsamen Planung und Durchführung der Untersuchung zusammen. Partizipation sollte nicht nach dem Alles-oder-Nichts-Prinzip gedacht werden. An den unterschiedlichen Stationen ist im Forschungsforum immer wieder neu zu überlegen, wie die Co-Forscher*innen in den Forschungs- und Erkenntnisprozess einbezogen werden können. Von den theoretischen und praktischen Herausforderungen partizipativer Methodik ausgehend möchte ich Vorschläge zur Bestimmung von geeigneten Gütekriterien entwickeln.


Prof. Dr. Josef Held: Subjektwissenschaftliche Handlungsforschung: Ein partizipativer Ansatz am Beispiel von zwei empirischen Projekte

Beschreibung des Vortrags: Der subjektwissenschaftliche Forschungsansatz richtet sich gegen die Vernachlässigung des Subjekts und strebt im Forschungsprozess eine Erweiterung der Handlungsfähigkeit bei allen Beteiligten an. In Erweiterung der früheren Handlungsforschung geht die subjektwissenschaftliche Forschung von einer Intersubjektivitätsbeziehung zwischen Forscher*innen und Mitforscher*innen in einem partizipativen Forschungsprozess aus. Es handelt sich dabei um einen wechselseitigen Lernprozess.

Die Tübinger Forschungsgruppe führt derzeit zwei Forschungsprojekte mit subjektwissenschaftlichem Anspruch durch. In dem einen Projekt geht es um die Orientierung Jugendlicher im Kontext von Rechtspopulismus und Fluchtbewegung, in dem anderen um den Übergang von jungen Geflüchteten in den Beruf. An Hand dieser beiden Projekte soll deutlich gemacht werden, welche Möglichkeiten, aber auch welche Schwierigkeiten sich dabei ergeben.